- von Phil Stewart und Ben Blanchard

Peking (Reuters) - Nach der Kriegsrhetorik der vergangenen Wochen gehen die USA einen Schritt auf Nordkorea zu und loten die Bereitschaft der Führung in Pjöngjang zum direkten Dialog aus.

Allerdings gebe es bisher keine Anzeichen, dass Nordkorea zu Gesprächen bereit sei, teilte das US-Außenministerium am Wochenende mit. Außenminister Rex Tillerson hatte am Samstag in Peking erklärt, es gebe "zwei, drei Kanäle nach Pjöngjang", die offen seien. "Wir fragen: Wollt ihr reden?" Außenminister Sigmar Gabriel begrüßte das Angebot der USA als Schritt in die richtige Richtung. "Nordkorea ist gut beraten, dieses Gesprächsangebot jetzt ernst zu nehmen."

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Bisher ist dies dem US-Außenministerium zufolge aber nicht geschehen. Vertreter Nordkoreas hätten nicht erkennen lassen, dass sie an "Gesprächen bezüglich einer Denuklearisierung" interessiert oder dazu bereit seien, erklärte eine Sprecherin. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump vor allem betont, dass die Vereinigten Staaten auf einen Militäreinsatz gegen Nordkorea vorbereitet seien. Dies sei aber nicht die erste Wahl, um den Streit über das Atom- und Raketenprogramm des Landes zu lösen.

Nordkoreas Führung hatte die Weltgemeinschaft mit neuen Atombomben- und mehreren Raketentests aufgeschreckt. Das Land arbeitet an atomwaffenfähigen Raketen, mit denen das US-Festland erreicht werden kann. Trump hatte erklärt, er werde dies niemals zulassen und hatte dem isolierten Land in einer Rede vor den Vereinten Nationen mit der totalen Vernichtung gedroht.

US-KREISE: CHINA BEFÜRCHTET FLÜCHTLINGSWELLE AUS NORDKOREA

Das verbale Säbelrasseln und der öffentliche Austausch von Beleidigungen zwischen Trump und Kim haben nicht zuletzt China alarmiert. Tillerson sagte nach seinen Gesprächen in Peking, die Volksrepublik signalisiere zunehmend Bereitschaft zur Durchsetzung von UN-Sanktionen gegen den benachbarten Verbündeten Nordkorea. Die Führung in Peking fürchtet nach Einschätzung in US-Regierungskreisen unter anderem eine Flüchtlingswelle im eigenen Nordosten, wenn schärfere Strafen zu einem vollständigen Zusammenbruch des abgeschotteten Nachbarn führen sollten.

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Zugleich hat die Volksrepublik im Konflikt zwischen Nordkorea und der Weltgemeinschaft eine Schlüsselrolle. Die UN-Vetomacht ist traditionell mit dem kommunistisch regierten Nordkorea verbündet und steht für rund 90 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels. US-Vertretern zufolge ist China offenbar zunehmend bereit, UN-Sanktionen gegen Nordkorea umzusetzen und die bilateralen Wirtschafsbeziehungen herunterzufahren. Trump hat die Pekinger Regierung wiederholt dazu aufgefordert, ihren Einfluss stärker geltend zu machen. Anfang November will Trump selbst nach Asien reisen, darunter auch nach China, Japan und Südkorea.

Neben China mahnten auch Deutschland und Frankreich wiederholt eine friedliche Lösung des Konflikts an. Der deutsche Außenminister Gabriel zog eine Verbindung vom Gesprächsangebot Tillersons an Nordkorea zur Iran-Politik der USA. Trump hatte das internationale Atom-Abkommen mit der Islamischen Republik als schlechten Vertrag kritisiert und den Ausstieg seines Landes daraus angekündigt. "Eine Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran durch die USA würde die Glaubwürdigkeit des Angebots an Nordkorea unterminieren", warnte Gabriel. Anders als die USA wollen die anderen Unterzeichnerstaaten des Vertrages mit dem Iran - Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China - an der Vereinbarung festhalten.