- von Phil Stewart und Ben Blanchard

Washington/Peking (Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat die Bemühungen seines Außenministers Rex Tillerson um eine diplomatische Lösung des Nordkorea-Konflikts als sinnlos bezeichnet.

"Ich habe Rex Tillerson, unserem wunderbaren Außenminister, gesagt, dass er seine Zeit mit dem Versuch verschwendet, mit dem kleinen Raketenmann zu verhandeln", schrieb Trump am Sonntag auf Twitter. "Spar dir deine Energie, Rex, wir werden tun, was getan werden muss." Wenig später legte Trump nach: "Zum Raketenmann nett zu sein, hat seit 25 Jahren nicht geklappt. Warum sollte es jetzt funktionieren?" Seine Vorgänger Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama seien alle gescheitert. "Ich werde nicht scheitern." Tillerson hatte nur einen Tag zuvor nach der beiderseitigen Kriegsrhetorik der vergangenen Wochen erklärt, die USA loteten die Bereitschaft der Führung in Pjöngjang zum direkten Dialog aus.

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Mit "Raketenmann" meint Trump Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, den er in Anspielung auf dessen Raketenprogramm bereits mehrfach so genannt hat. Der US-Präsident ließ offen, welche Maßnahmen er im Umgang mit Nordkorea für nötig halten könnte. In den vergangenen Wochen drohten sich beide Seiten wiederholt mit Militärschlägen. In einer Rede vor den Vereinten Nationen sprach Trump von der "totalen Vernichtung" Nordkoreas, falls es die USA oder einen ihrer Verbündeten angreifen sollte.

Tillerson sagte am Samstag in China, es gebe "zwei, drei Kanäle nach Pjöngjang", die offen seien. "Wir fragen: Wollt ihr reden?" Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, Vertreter Nordkoreas hätten aber nicht erkennen lassen, dass sie an "Gesprächen bezüglich einer Denuklearisierung" interessiert oder dazu bereit seien. Nach Trumps Tweets am Sonntag erläuterte ein US-Regierungsvertreter: "In Zeiten, in denen Nordkorea seine Provokationen fortsetzt, glaubt der Präsident nicht, dass jetzt die Zeit für Verhandlungen mit ihnen ist." Was diplomatische Kanäle zwischen Washington und Pjöngjang angehe, so zielten diese darauf ab, die Rückkehr von Amerikanern zu sichern, die derzeit in Nordkorea festgehalten würden.

Außenminister Sigmar Gabriel hatte das Angebot Tillersons trotzdem als Schritt in die richtige Richtung begrüßt. "Nordkorea ist gut beraten, dieses Gesprächsangebot jetzt ernst zu nehmen."

Nordkoreas Führung hatte die Weltgemeinschaft mit neuen Atombomben- und mehreren Raketentests aufgeschreckt. Das Land arbeitet an atomwaffenfähigen Raketen, mit denen das US-Festland erreicht werden kann.

TRUMP REIST ANFANG NOVEMBER NACH ASIEN

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Das verbale Säbelrasseln und der öffentliche Austausch von Beleidigungen zwischen Trump und Kim haben nicht zuletzt China alarmiert. Die UN-Vetomacht ist traditionell mit dem kommunistisch regierten Nordkorea verbündet und steht für rund 90 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels. Trump hat die Pekinger Regierung wiederholt dazu aufgefordert, ihren Einfluss stärker geltend zu machen. Anfang November will er selbst nach Asien reisen, darunter auch nach China, Japan und Südkorea.

Neben China mahnten auch Deutschland und Frankreich wiederholt eine friedliche Lösung des Konflikts an. Der deutsche Außenminister Gabriel zog eine Verbindung vom Gesprächsangebot Tillersons an Nordkorea zur Iran-Politik der USA. Trump hatte das internationale Atom-Abkommen mit der Islamischen Republik als schlechten Vertrag kritisiert und den Ausstieg seines Landes daraus angekündigt. "Eine Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran durch die USA würde die Glaubwürdigkeit des Angebots an Nordkorea unterminieren", warnte Gabriel. Anders als die USA wollen die anderen Unterzeichnerstaaten des Vertrages mit dem Iran - Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China - an der Vereinbarung festhalten.