Reuters
Top News
Geringste Januar-Arbeitslosigkeit seit 21 Jahren
Tue, Jan 31 07:16 AM EST

Nürnberg (Reuters) - Die Arbeitslosenzahl in Deutschland hat zum Jahresbeginn die Drei-Millionen-Marke wieder überschritten, aber trotzdem positiv überrascht.

Der Anstieg auf 3,082 Millionen Arbeitslose fiel geringer aus als für die Jahreszeit üblich. Damit verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) die geringste Januar-Arbeitslosigkeit seit 21 Jahren. "Wir sind auch überrascht", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Dienstag in Nürnberg. Zum Teil seien die guten Zahlen dem frühen Zähltag Mitte Januar geschuldet. Der Wintereinbruch sei später gekommen. Deutschland hängt damit immer mehr die anderen großen Euro-Staaten ab. Die Arbeitslosenquote im gesamten Euro-Raum erreicht mittlerweile den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung.

VORKRISENNIVEAU IN DEUTSCHLAND LÄNGST UNTERSCHRITTEN

Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Dezember um 34.000 zurück, die saisonbereinigte Quote fiel auf 6,7 Prozent - den niedrigsten seit der Wiedervereinigung ausgewiesenen Wert. "Diese Zahlen spiegeln wider, dass die Binnenkonjunktur recht stabil ist", sagte Uwe Angenendt von der BHF Bank. Die Banken-Volkswirte erwarten aber, dass sich der Arbeitmarkt als Folge der Konjunkturabschwächung bald eintrübt. "Leichte Rückgänge bei den saisonbereinigten Zahlen wären in den nächsten Monaten schon ein Erfolg", sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank.

Auch die BA bleibt trotz des unerwartet guten Jahresbeginns bei ihrer Annahme, dass die Arbeitslosenzahl im Jahresschnitt bei knapp unter drei Millionen stagniert. Es gebe sehr konkrete Risiken im europäischen Währungsraum, sagte Weise. Noch haben die Arbeitsagenturen keine Hinweise auf steigende Entlassungen.

"Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst nunmehr seit zwei Jahren und hat den Arbeitsplatzabbau während der Krise 2009 weit hinter sich gelassen", sagte Weise. Nach BA-Berechnungen gab es im November 29 Millionen sozialabgabenpflichtig Beschäftigte. Der Zuwachs von 721.000 Beschäftigten innerhalb eines Jahres entfiel dabei stärker auf Teil- als auf Vollzeitstellen. Vom Beschäftigungsaufbau profitierten alle Branchen. Während im Verarbeitenden Gewerbe vor allem Vollzeitarbeitsplätze entstünden, liege im Handel das Schwergewicht auf Teilzeit. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Dezember nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 41,47 Millionen. Das waren 572.000 mehr als vor einem Jahr.

"Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat rein jahreszeitliche Gründe", sagte Weise. Angesichts des Winterwetters mit der Beeinträchtigung der Bauberufe werde die Arbeitslosigkeit im Februar "möglicherweise einen Tick höher sein als erwartet". Im Januar fiel die Zunahme dagegen geringer aus als in den Vorjahren. Im Vergleich zum Dezember registrierte die BA 302.000 Arbeitslose mehr, im Vergleich zum Januar 2011 aber 264.000 weniger. Die Arbeitslosenquote legte im Monatsvergleich unbereinigt um 0,7 Punkte auf 7,3 Prozent zu.

Die BA räumte ein, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich höher war als in der Statistik bisher ausgewiesen. Die Behörde korrigierte rückwirkend bis zum Jahr 2007 die Zahl, weil nun Lücken beim Datenaustausch mit den Kommunen geschlossen worden seien. So seien 2011 im Jahresdurchschnitt 1,056 Millionen Menschen länger als ein Jahr arbeitslos gewesen - 97.000 oder zehn Prozent mehr als bisher angenommen.

Auch auf der neuen Datengrundlage habe die Langzeitarbeitslosigkeit aber stark abgenommen, erklärte die BA. Nach den neuen, zum Teil auch noch auf Schätzungen beruhenden Zahlen gab es im Januar 1,048 Millionen Langzeitarbeitslose und damit fast 900.000 weniger als vor fünf Jahren. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen fiel von 45 auf 34 Prozent. Die Aussagekraft ist aber eingeschränkt: Wenn Arbeitslose eine Weiterbildung oder einen Ein-Euro-Job aufnehmen und danach wieder arbeitslos sind, gelten sie anfangs nicht mehr als langzeitarbeitslos.


Email Article
Next Article in Top News