
Male (Reuters) - Der demokratisch gewählte Präsident der Malediven ist nach einem erbitterten Machtkampf mit seinem autokratischen Vorgänger zurückgetreten.
Präsident Mohamed Nasheed verzichtete auf sein Amt, nachdem am Dienstag wochenlange Proteste der Opposition gegen die Verhaftung eines Richters in eine offene Meuterei der Polizei umgeschlagen war. Als neuer Staatschef wurde der bisherige Vizepräsident Mohamed Waheed Hassan Manik vereidigt, der bis zur Präsidentenwahl 2013 eine Regierung der nationalen Einheit führen soll.
Deutsche Urlauber waren nach Angaben der Reiseveranstalter nicht betroffen. Das Auswärtige Amt riet von Besuchen auf der Hauptinsel Male ab.
"Ich trete zurück, weil ich nicht der Mensch bin, der mit dem Einsatz von Gewalt regieren will", sagte Nasheed in einer Ansprache an die Bevölkerung der vom Klimawandel bedrohten Urlauberinseln im Indischen Ozean. Nasheed war 2008 mit dem Versprechen der vollen Demokratisierung zum Präsidenten gewählt worden und hatte als Staatschef vehement für eine Politik gegen den Anstieg der Meeresspiegel geworben.
Auslöser des Machtkampfes war die Verhaftung des Gerichtspräsidenten, den Nashed als Marionette seines Vorgängers Maumoon Abdul Gayoom bezeichnet hatte. In der Nacht zum Dienstag waren die Auseinandersetzungen nach Angriffen auf einen der Opposition nahestehenden Sender eskaliert. Währenddessen attackierten meuternde Polizisten das Hauptquartier von Nasheds Partei und besetzten das Staatsfernsehen. Soldaten gingen mit Tränengas gegen Polizisten und Demonstranten vor, die das Hauptquartier der Streitkräfte belagerten, vor den Präsidentenpalast zogen und den Namen Gayooms riefen.
Deutsche Reisekonzerne rufen wegen den Unruhen ihre Gäste nicht zurück. "Wir haben keine Reisende, die betroffen sind", sagte eine Sprecherin von TUI Deutschland. Nur die wenigsten der derzeit 850 Urlauber, die mit TUI auf den Malediven seien, bekämen die von den Protesten betroffene Hauptinsel Male jemals zu Gesicht. So gut wie alle Urlauber flögen vom Flughafen, der nicht auf Male liege, direkt weiter zu einer der 55 Resortatolle, die der Konzern dort im Programm habe. Entwarnung gibt auch der TUI-Rivale Thomas Cook, mit dem derzeit 900 Bundesbürger auf den Malediven Urlaub machen. Einzig von Besuchen auf Male werde abgeraten.
Auf der Inselgruppe ist Hauptsaison. Von Dezember bis März sind die Temperaturen erträglich und die Regenwahrscheinlichkeit gering. Jedes Jahr besuchen etwa 900.000 Touristen die Malediven, ein muslimisch geprägtes Land mit etwa 300.000 Einwohnern.