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Euro-Schuldenkrise lastet schwer auf Commerzbank
Thu, Feb 23 09:03 AM EST

Frankfurt (Reuters) - Die Staatsschuldenkrise hat die Commerzbank fest im Griff.

Die zweitgrößte deutsche Bank schrieb im vergangenen Jahr gut zwei Milliarden Euro auf griechische Anleihen in ihrer Bilanz ab, die bei der Tochter Eurohypo liegen. Allein im vierten Quartal waren noch einmal Korrekturen von 700 Millionen Euro fällig - insgesamt sind damit 74 Prozent abgeschrieben. Nur dank Einmaleinnahmen blieb im Gesamtjahr ein Gewinn von gut 600 Millionen Euro übrig, weniger als die Hälfte von 2010. Vorstandschef Martin Blessing sieht noch kein Licht am Ende des Tunnels: "Die mit der europäischen Staatsschuldenkrise einhergehende hohe Unsicherheit wird uns weiterhin vor Herausforderungen stellen", sagte er am Donnerstag bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2011. Das Geschäftsmodell der teilverstaatlichten Commerzbank mit Firmen- und Privatkunden in Deutschland und Polen sei aber "wetterfest".

Für das erste Halbjahr 2012 rechnet die Bank mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro. "Im zweiten Halbjahr erwarten wir keine signifikanten Gewinne", betonte Finanzchef Eric Strutz. Blessing blieb vage: "Auch im Jahr 2012 wollen wir unsere operative Profitabilität kontinuierlich verbessern und die Risiken weiter reduzieren", erklärte er nur. Das Ziel von vier Milliarden Euro Gewinn vor Steuern, das Teil seiner "Roadmap 2012" war, hat er längst aufgegeben. Im vergangenen Jahr schrieb das Kerngeschäft operativ 4,5 Milliarden Euro Gewinn. Das wurde aber von fast vier Milliarden Euro Verlusten in der Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierung aufgefressen. Die Eurohypo verbuchte Finanzkreisen zufolge den höchsten Verlust ihrer Geschichte - mehr als in der Finanzkrise 2008.

"Das Segment bleibt eine deutliche Belastung für die Bank. Eine schnelle Lösung, um die toxischen Papiere loszuwerden, ist nicht in Sicht", sagte Silvia-Quandt-Analyst Christian Muschick. Nach Informationen von Reuters will die Commerzbank die Eurohypo zum größten Teil abwickeln, der gesunde Rest soll in den Konzern integriert werden. Darüber wird aber noch mit der EU verhandelt, die Bankkreisen zufolge im Gegenzug der Commerzbank noch länger verbieten will, wieder zuzukaufen. Die EU-Kommission fordert bislang einen Verkauf der Eurohypo, was aber als nahezu unmöglich gilt.

RÜCKKAUF VON ANLEIHEN RETTET COMMERZBANK DIE BILANZ

Unter dem Strich schrieb die Commerzbank 2011 nur dank des Rückkaufs von Anleihen schwarze Zahlen. Mit zwei Rückkaufaktionen für Hybridpapiere, die nicht mehr als hartes Kernkapital zählen, rettete sich der Konzern mit 638 Millionen (2010: 1,43 Milliarden) Euro Nettogewinn über die Null-Linie. Diese Papiere kaufte die Bank billiger zurück als sie herausgegeben worden waren - das brachte mehr als 1,1 Milliarden an Einmalgewinn in 2011.

Auch dieses Jahr arbeitet die Commerzbank weiter am Rückkauf nachrangiger Papieren, die für die Kapitalausstattung künftig eine weniger wichtige Rolle spielen. Seit Donnerstag werden weitere Hybridanleihen und Genussscheine zurückgekauft; die Investoren sollen dafür bis zu 511 Millionen Commerzbank-Aktien bekommen. Dafür wird das Grundkapital um zehn Prozent erhöht. Das soll mehr als eine Milliarde Euro Eigenkapital bringen und könnte es der Commerzbank erleichtern, die Anforderungen der EU-Bankenaufsicht EBA zu erfüllen. Der Staat wandelt einen Teil seiner Stillen Einlage in Aktien um, um seine Sperrminorität von 25 Prozent zu halten. Die Commerzbank-Aktie ging um gut drei Prozent in die Knie - Anleger befürchten eine Verwässerung ihres Anteils. Der Umtauschpreis richtet sich nach dem Aktienkurs in den nächsten Tagen.

Doch auch ohne den Rückkauf kommt die Commerzbank bei der Erfüllung der höheren Eigenkapitalansprüche der EBA mit großen Schritten voran. Von den 5,3 Milliarden Euro, die ihr nach den Berechnungen der Aufseher Ende September fehlten, sind nur noch 1,8 Milliarden Euro übrig, die bis Ende Juni aufgebracht werden müssen. "Das ist die positive Überraschung", sagte Analyst Neil Smith von der WestLB.

Um die Anforderungen zu erfüllen, hat die Commerzbank in ihrer "Bad Bank" die Strategie gewechselt: Nun geht es verstärkt um einen schnellen Abbau der Risiken, auch unter Inkaufnahme von Verlusten. Bisher sollten die toxischen Papiere möglichst bilanzschonend verkauft werden. Die Kernbank - ohne die "Bad Bank", Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierung - soll in diesem Jahr ein "solides" operatives Ergebnis erwirtschaften. 2011 hatte der größte Kreditgeber an deutsche Firmen von einer um 40 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro niedrigeren Rückstellung für faule Kredite profitiert. 2012 soll die Risikovorsorge unter 1,7 Milliarden Euro bleiben.

Der Staat und die Aktionäre gehen 2011 - wie in den beiden Jahren davor - erneut leer aus. Denn nach dem für die Bedienung der Stillen Einlage und die Dividende maßgeblichen deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) hat die Bank 3,6 Milliarden Euro Verlust erwirtschaftet. Hier schlug eine erneute Abschreibung unter anderem auf die Eurohypo mit 2,1 Milliarden Euro Minus zu Buche. Der Hybrid-Rückkauf bessert die Bilanz nach HGB dagegen nicht auf. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin hätte für seine restliche Einlage noch Anspruch auf 170 Millionen Euro gehabt.


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