Frankfurt/Düsseldorf (Reuters) - Kurz vor Ablauf einer weiteren Bieterrunde für die Aufzugssparte von Thyssenkrupp ist offen, wieviel vom Tafelsilber des Konzerns unter den Hammer kommt.

Die Arbeitnehmervertreter drängen darauf, eine Mehrheit an der lukrativen Tochter zu behalten, um Schwankungen des konjunkturanfälligen Stahlgeschäfts auszugleichen. Ähnliche Töne schlägt das Management um die neue Vorstandschefin Martin Merz an. Dem schwedischen Großaktionär Cevian wird hingegen nachgesagt, einen kompletten Verkauf anzustreben, was der Finanzinvestor nicht offiziell bestätigt. Es müsse die "kommerziell attraktivste Lösung" erzielt werden, sagte Cevian. Die Krupp-Stiftung will einen möglichst hohe Restbeteiligung im Konzern halten, lässt aber offen, ob sie damit auch eine Mehrheitsbeteiligung meint.

Am Freitag läuft die Frist für Angebote ab. Nach Reuters-Informationen sind mehr als eine Handvoll Offerten zu erwarten. Dazu gehöre der finnische Konkurrent Kone, der sich mit dem Finanzinvestor CVC verbünden könnte. Dieser könne Geschäfte übernehmen, die Kone für eine Freigabe durch die Wettbewerbshüter abstoßen müsste, sagten mehrere Insider Reuters. Kone und CVC lehnten eine Stellungnahme ab.

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Für Thyssenkrupp galt die Aufzugssparte lange Zeit als unantastbar. Noch im September vergangenen Jahres hatte der vor wenigen Wochen geschasste Vorstandschef Guido Kerkhoff einen Teil-Börsengang oder eine Fusion mit einem Wettbewerber kategorisch abgelehnt. "Wir würden hier über eine Amputation von gesunden Teilen sprechen, die den restlichen Konzern geschwächt zurücklassen würde."

KONZERN PRÜFT BÖRSENGANG UND VERKAUF

Der Konzern fährt zweigleisig: "Wir haben klar gesagt, dass wir – neben der Vorbereitung des Börsengangs – die vorliegenden Interessensbekundungen potenzieller Interessenten prüfen", bekräftigte Thyssenkrupp am Mittwoch. Einige Experten verweisen darauf, dass bei einer Abgabe der Mehrheit ein Preisaufschlag zu erzielen sei. Der Wert der ganzen Sparte wird auf zwölf bis 17 Milliarden Euro geschätzt.

Großaktionär Cevian, der rund 18 Prozent der Konzern-Anteile hält, wird neben der Krupp-Stiftung mit 21 Prozent der Aktien und den mächtigen Arbeitnehmervertretern eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielen. Die IG Metall hat allerdings bereits klar gemacht, dass es nicht nur um den Preis gehen werde. "Unser Ziel ist es, dass Thyssenkrupp die Mehrheit an Elevator behält, ob bei einem Börsengang oder Teilverkauf", hatte NRW-Gewerkschaftschef Knut Giesler Reuters gesagt. Das Ergebnis müsse gut für Elevator und den restlichen Konzern sein. Und der IG-Metall-Bundesvorsitzende Jörg Hofmann hatte kürzlich betont, dass es auch einen Wettbewerb in Sachen Fairness gegenüber den Beschäftigten geben müsse. "Für jeden Interessenten gilt, ohne Fair-Owner-Vereinbarung mit der IG Metall, ohne klare Zusagen für die Beschäftigten gibt es von uns keine Zustimmung."